Value through Innovation17 July 2014

Schlaganfall

In der Schweiz erleiden ca. 12'000 Menschen pro Jahr einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache nach Herzerkrankungen und Krebs. Die Folgen für die Betroffenen und ihre Angehörigen sind gravierend. Innerhalb der ersten vier Wochen stirbt jeder Fünfte. Mehr als die Hälfte der Patienten bleiben behindert, wobei 20 Prozent davon schwer bis sehr schwer behindert sind.

Die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen wird durch die Folgen dieser Erkrankung dramatisch eingeschränkt. In den letzten Jahren fällt auf, dass vermehrt jüngere Menschen einen Schlaganfall erleiden.

Älterwerden, Geschlecht und familiäre Belastung sind als Risikofaktoren unabänderlich, nicht aber Rauchen, starker Alkoholkonsum und Übergewicht. Stärkster Risikofaktor für einen Schlaganfall ist der hohe Blutdruck.

Mehr Informationen über unsere Präparate finden Sie im Arzneimittel-Kompendium der Schweiz:

Was passiert bei einem Schlaganfall ?
Prinzipiell gilt: Der Schlaganfall (Apoplex) ist die Folge einer plötzlich auftretenden Durchblutungsstörung des Gehirns. Diese kann unterschiedliche Ursachen haben:
In 80 - 90% der Fälle ist die Ursache für einen Schlaganfall die akute Verstopfung eines Gefässes im Gehirn durch ein Blutgerinnsel. In 10 - 20% der Fälle jedoch kann auch ein Einriss eines Gefässes im Gehirn mit nachfolgender Gehirnblutung den Schlaganfall verursachen.
Demzufolge unterscheidet man zwischen einem ischämischen = durch Mangeldurchblutung verursachten und einem so genannten blutigen Schlaganfall.

Vorboten eines Schlaganfalls
In vielen Fällen kündigt sich ein Schlaganfall und insbesondere ein durch Arteriosklerose bedingter Schlaganfall durch verschiedene Krankheitszeichen (Symptome) an.
Vor allem Patienten mit arteriellem Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes sollten deshalb vermehrt auf folgende Vorboten eines Schlaganfalls achten:

  • Vorübergehende plötzliche Schwäche einer Körperhälfte
  • Gefühlsstörungen einer Körperseite, des Gesichtes oder des Arms
  • plötzlich auftretende einseitige Sehstörung oder Wahrnehmung von Doppelbildern
  • kurzfristig auftretende Probleme, Gesprochenes zu verstehen 
  • plötzlich auftretende Unfähigkeit, Worte oder ganze Sätze auszusprechen
  • spontan auftretende Gangunsicherheiten (v. a. einseitig) 
  • erstmalige und abrupt einsetzende, extrem starke Kopfschmerzen

Alle oben genannten Krankheitszeichen können einzeln oder auch in verschiedenen Kombinationen auftreten. Da sie aber auch bei anderen Krankheiten vorkommen, sollte die endgültige Abklärung dieser Symptome durch den Arzt erfolgen.

Auf jeden Fall gilt jedoch:
Haben Sie oben angeführte Symptome bei sich selbst oder einem Menschen in Ihrer Umgebung bemerkt, sollte schnellstmöglich ein Arzt (z. B. Neurologe oder Angiologe) aufgesucht werden!

TIA - und PRIND - die Vorläufer des Schlaganfalls
Stellt der Arzt bei der Untersuchung fest, dass es sich bei den geschilderten Krankheitszeichen tatsächlich um die Vorboten eines Schlaganfalls gehandelt hat, wird er wahrscheinlich die Diagnose TIA (= transitorische ischämische Attacke) stellen. Hierbei handelt es sich um einen Vorläufer des Schlaganfalls mit eingeschränkter Durchblutung des Gehirns, bei dem die Krankheitszeichen weniger als 24 Stunden andauern.
Haben die Symptome länger als 24 Stunden gedauert, sind aber innerhalb weniger Tage wieder vollständig verschwunden, spricht der Arzt in der Diagnose auch vom sogenannten prolongierten reversiblen ischämischen neurologischen Defizit (PRIND).
Hat der Arzt die Diagnosen TIA oder PRIND gestellt, wird er eine vorbeugende Behandlung gegen Schlaganfall einleiten.

Woran erkennt man einen Schlaganfall ?
Der Schlaganfall hat typische Krankheitszeichen (Symptome), die auch für den Nicht-Mediziner häufig gut zu erkennen sind.
Darüber hinaus ist es heutzutage durch moderne bildgebende Untersuchungsmethoden möglich, genau festzustellen, welche Bereiche des Gehirns durch den Schlaganfall geschädigt worden sind.

Krankheitszeichen eines Schlaganfalls, die Sie erkennen können

  • Vorübergehende plötzliche Schwäche einer Körperhälfte
  • Der Betroffene fällt plötzlich hin und ist anschliessend halbseitig gelähmt
  • Bei der Lähmung einer Körperseite ist der Arm meist mehr als das Bein von den Störungen betroffen
  • Häufig hängt auch ein Mundwinkel herunter
  • Es können Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schwäche in der vom Schlaganfall betroffenen Körperhälfte auftreten
  • Bei manchen Patienten kann ein starkes Schwindelgefühl vorhanden sein. Sie können deshalb weder sitzen noch stehen
  • Der Betroffene kann starke Sehstörungen haben, die sich auch im Sehen von Doppelbildern bemerkbar machen können
  • Häufig treten Sprachstörungen auf. Gegenstände oder Personen können nicht mehr mit den passenden Namen oder Begriffen genannt werden
  • Auch Schluckstörungen oder eine Verlangsamung der Durchführung von täglichen Verrichtungen deuten auf einen Schlaganfall hin
  • Zu oben genannten Symptomen können noch zusätzlich starke, stechende Kopfschmerzen vorhanden sein. Plötzliche, blitzartig einsetzende, heftige Kopfschmerzen, teilweise verbunden mit Übelkeit oder Erbrechen, sind ein Hinweis auf eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls

All diese Krankheitszeichen deuten auf einen Schlaganfall hin. Welche Art eines Schlaganfalls vorliegt - Schlaganfall infolge eines ischämischen Hirninfarkts, durch Verstopfung eines Hirngefässes oder Schlaganfall als Folge einer Hirnblutung - ist anhand der Symptome nicht eindeutig zu unterscheiden.
Nehmen Sie auf jeden Fall bei Auftreten der oben genannten Symptome sofort Kontakt mit dem behandelnden Arzt mit dem Hinweis auf einen Schlaganfallsverdacht auf, oder rufen Sie direkt die Notfallambulanz 144 an.

Welche Untersuchungen führt der Arzt bei Verdacht auf Schlaganfall durch ?
Zunächst wird der Arzt eine körperliche Untersuchung des Patienten durchführen. Dies bedeutet, dass er Puls, Blutdruck, Hautdurchblutung und Bewusstseinszustand des Patienten überprüft. Verhärtet sich durch diese Untersuchung der Verdacht auf einen Schlaganfall, muss der Patient sofort in eine geeignete Klinik mit Stroke-Unit (Schlaganfall-Abteilung) für Schlaganfallpatienten transportiert werden.

Wie wird ein Schlaganfall-Patient vom Arzt behandelt ?
Entscheidend für den Erfolg der medikamentösen Behandlung des Schlaganfalls ist, dass sie möglichst kurzfristig nach dem Ereignis durchgeführt wird.
Merke: Die grössten Chancen auf Heilung für den Patienten sind nur innerhalb der ersten Stunden nach Beginn der Schlaganfall-Symptome gegeben!

Wie wird ein Schlaganfall-Patient vom Arzt behandelt ?
Die Behandlung sollte am besten in einer Klinik mit spezieller Schlaganfallabteilung (Stroke-Unit) stattfinden. Hier ist die optimale Behandlung durch die Zusammenarbeit von Neurologen (Nervenärzten), Internisten, Neurochirurgen, Radiologen (Röntgenärzten) und Anästhesisten (Narkoseärzten) gewährleistet.

Welche Medikamente werden im Akutstadium verwendet ?
Ist der Schlaganfall durch die Verstopfung eines Gefässes im Gehirn durch ein Blutgerinnsel entstanden, muss dieses möglichst schnell aufgelöst werden. Je schneller das Gerinnsel im Gehirn aufgelöst ist, um so geringer sind die Schäden des Hirngewebes, das über dieses Gefäss mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird.
Dies geschieht über Infusionen mit pfropfauflösenden Medikamenten (Thrombolytika). Hierzu zählen Streptokinase, Urokinase und Plasminogenaktivatoren. Meist wird heutzutage die örtliche intraarterielle Katheterthrombolyse angewandt, um die Nebenwirkungsrate möglichst gering zu halten. Hierbei wird unter Röntgenbildkontrolle über einen Katheter eine feine Sonde in den Bereich des das Gefäss verschliessenden Blutgerinnsels gebracht. Über diese Sonde gelangt dann das Thrombolytikum direkt und unverdünnt an die Verschlussstelle und kann das Gerinnsel auflösen.

Weitere Massnahmen
Um zu gewährleisten, dass Durchblutung und Stoffwechsel des Körpers stabil bleiben, müssen Blutdruck, Atmung, Blutzucker und Körpertemperatur überwacht werden. Die beim Schlaganfall auftretenden kurzfristig stark erhöhten Blutdruckwerte sind in den meisten Fällen nicht behandlungsbedürftig. Durch sie versucht der Organismus sich selbst zu helfen und eine verbesserte Durchblutung des geschädigten Gehirns zu ermöglichen.
Bei Hirnblutungen muss unter Umständen eine chirurgische Behandlung erfolgen, um das aus dem eingerissenen Gefäss ins Gehirn ausgetretene Blut zu entfernen.

Medikamente zur Vermeidung eines weiteren Schlaganfalls
Hat man schon einmal einen ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt infolge Verstopfung eines Gefässes durch ein Blutgerinnsel) gehabt, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, dass ein weiterer Schlaganfall auftritt. Deshalb sollte ein solcher Schlaganfall-Patient auf jeden Fall vorbeugend Medikamente (z. B. Thrombozytenfunktionshemmer oder Phenprocoumon) einnehmen, um einen nächsten drohenden Schlaganfall zu verhindern.